Frauen Match Race
Zum ersten Mal auf der Kieler Woche wird das Frauen Match Race ausgetragen. Hier sind sportliche, schnelle und schlaue Frauen im Boot. Direkt an der Kiellinie – Segelsport zum Anfassen.
Match Race ist nichts für Weicheier, Langsamdenker oder Bewegungsmuffel. Match Race ist ein rasantes Duell, bei dem jeweils zwei Boote gegeneinander segeln. „Ganz wie im Fußball: Vorrunden, Viertelfinale, Halbfinale und Finale“, erklärt Silke Hahlbrock, Steuerfrau des Match Race Teams Hamburg.
Erst die Kieler Woche, dann Olympia 2012 gewinnen, das ist Ziel der zehn teilnehmenden Teams, die aus ganz Europa und sogar Neuseeland nach Kiel gekommen sind, um das Frauen Match Race zu segeln. Die Kieler Woche ist weltweit die erste Großveranstaltung, die das Frauen Match Race ausgeschrieben hat. Ein Segelwettbewerb nur für Frauen. „Das wurde auch Zeit“, findet Marion Rommel, die Taktikerin des Teams. Männer können nicht besser segeln als Frauen, aber sie sind meistens schwerer, und mehr Gewicht bringt letztendlich mehr Geschwindigkeit.
Gut 30 junge Frauen drängen sich im Zelt des Camp 24|sieben und erhalten letzte Informationen über Wind, Wetter und Wettkampfregeln und die Nummer ihres Bootes. Beim Match Race stellt der Veranstalter die Boote, damit alle gleiche Chance haben, werden die Boote vor jeder Wettfahrt getauscht.
Auf der Kieler Woche wird in Streamline Booten gesegelt. Sieben Meter lange, unglaublich schnelle und wendige Boote für eine Dreiercrew. Eine Frau an der Pinne und zwei im Doppeltrapez. Drückt der Wind das Boot auf die Seite, lehnen sich die Trapezsegler gegen den Wind und bilden das Gegengewicht. Sportliche Bilder für die Zuschauer.
Im Gegensatz zum Fußball, beginnt der Wettkampf nicht mit dem Anpfiff, dem Startschuss, sondern schon Minuten vorher. Der Kampf um die bessere Position, den besseren Startplatz. „Man muss den Gegner zwingen, einen Fehler zu machen, eine Regel zu brechen, damit er einen Strafkreis drehen muss“, erklärt Silke Hahlbrock. „Aber wir müssen auch höllisch aufpassen, dass nicht wir in die Todeszone gedrängt werden“, ergänzt ihre Schwester. Todeszone nennen Regattasegler den Bereich, der links von der Starttonne liegt. Wer hier segelt, hat den Start so gut wie verloren, denn das andere Boot hat immer Vorfahrt.
Match Race segeln erfordert kluge Köpfe. Kein Wunder, dass diese Sportart bei Frauen immer beliebter wird. Match Race ist Mannschaftssport. Im Team wird die Taktik für den Start und die Wettfahrt besprochen. Doch das letzte Wort hat die Steuerfrau. „Wer vorne mitsegeln will, muss bissig sein“, sagt Silke Hahlbrock energisch und kneift die Augen zusammen. Ihre Erfolge geben ihr recht. Bei der Weltmeisterschaft im April in Auckland ersegelte sich ihr Team den sechsten Platz.
Das Frauen Match Race ist Segeln zum Anfassen. Die einzelnen Läufe finden direkt an der Kiellinie vor der Debitel-Bühne statt. Die Bahnen sind kurz, und weil immer zwei Boote gegeneinander segeln, ist das bessere Boot gut zu erkennen.
Text & Fotos: Silke Haas